
Ob Hund oder Katze in Not, ausgesetzte Farbratten oder ein Krokodil, das ein Taxi braucht: Wenn auf dem Maifeld ein Tier Hilfe braucht, ist Kerstin Profittlich meist nicht weit. Seit rund 15 Jahren kümmert sie sich ehrenamtlich und auf eigene Kosten um Tiere in Not – in enger Zusammenarbeit mit dem Tierheim Mayen und anderen Tierschutzvereinen und -kolleg:innen.

Mikrochips und die Suche nach dem Zuhause
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Auslesen von Mikrochips bei Fundtieren – dafür hat sie sich extra ein eigenes Chipauslesegerät angeschafft. So kommen viele Tiere schnell wieder nach Hause. Leider handelt es sich dabei auch oft um Totfunde. Aber selbst dann gibt der Chip den Besitzer:innen wenigstens die – wenn auch traurige – Gewissheit, was mit ihrem Tier passiert ist.

Seit 2018 gilt in der VG Maifeld eine Katzenschutzverordnung: Freigängerkatzen müssen kastriert, gekennzeichnet und registriert sein. Nicht alle Halter:innen halten sich daran. Dann macht sich Kerstin auf die Suche – über soziale Medien oder ganz klassisch durch Nachfragen in der Nachbarschaft.
Wenn Katzenfamilien im Palettenstapel zur Welt kommen
Nach wie vor gibt es in der VG Maifeld viele verwilderte Katzen sowie nicht mehr gewollte Hauskatzen, die ihren Nachwuchs an denkbar ungeeigneten Orten bekommen: in Palettenstapeln, Gebüschen oder sogar im Müll.

Unkastrierte Kater leben durch Revierkämpfe und Hormone in Dauerstress, alle Tiere leiden unter Hunger und laufen Gefahr, an ansteckenden Krankheiten zu sterben.

In Zusammenarbeit mit dem Tierheim sichert Kerstin solche Katzenfamilien – mit viel Zeit- und Fahrtaufwand, aber im Sinne der Tiere: Anders als oft angenommen, können Hauskatzen auf Dauer nämlich nicht einfach „in der Natur” überleben.
Einer der eingefangenen, unkastrierten Kater wurde kastriert und anschließend wieder in seinem Revier freigelassen. Von Menschen möchte er weiterhin nichts wissen – und das ist auch gut so.


Kleine Kitten sind natürlich süß. Aber schon mit etwa sechs Monaten sind sie geschlechtsreif. Deshalb der Appell: Herrenlose Katzenfamilien sollten gemeldet und gesichert werden, solange die Kitten noch gezähmt werden können und ein Zuhause finden. Ohne rechtzeitige Sicherung stirbt ein großer Teil der Tiere, der Rest vermehrt sich weiter.
Sonntagmorgen, halb sechs
Wenn andere noch schlafen, ist Kerstin oft schon unterwegs – wie an jenem Morgen, als sie im Wohngebiet „Wohnen mit Pferden” bei Rüber eine schwer verletzte Katze einfing und direkt in die Tierarztpraxis nach Mayen fuhr, während sie parallel über soziale Medien nach der Besitzerin oder dem Besitzer suchte.

[Foto: Kofferraum mit Falle und Transportbox]
Auch der Polcher Bach hat eine Patin
Wer glaubt, mit Hund und Katze sei Kerstins Einsatz für die Natur schon erschöpft, kennt sie noch nicht richtig: Als gelernte MTA hat sie elf Jahre lang in einem Qualitätssicherungslabor gearbeitet und kennt sich mit Wasseruntersuchungen aus. Als sie bei einem ihrer Ausritte – sie ist mehrmals wöchentlich als Geländereiterin auf dem Paradiesweg bei Kaan unterwegs – zufällig beobachtete, wie bei einer Elektrobefischung eine besonders große Forelle entdeckt wurde, war ihr Interesse geweckt. Seither hat sie für den Polcher Bach im Bereich des Paradieswegs die Bachpatenschaft übernommen und die entsprechende Urkunde unterschrieben.
Gemeinsam mit dem selbstständigen Fischereisachverständigen Andreas Frey aus Ochtendung sorgt sie dafür, dass der renaturierte, neu geschaffene 175 Meter lange Bachabschnitt bei Kaan auch von den richtigen Bewohnern besiedelt wird: In einer Gemeinschaftsaktion haben die beiden rund 160 Jungfische – knapp 100 Mini-Stichlinge aus dem Thürer Bach sowie etwa 30 Mühlkoppen und Schmerlen aus der Nette bei Trimbs – eingefangen und im Polcher Bach ausgesetzt. Auch Bachflohkrebse, Azurjungferlarven, Spitzschlammschnecken und Körbchenmuscheln haben sich inzwischen dort angesiedelt. Und auch die alteingesessenen Bewohner lassen sich blicken: Eine stolze 54 Zentimeter lange und 1,8 Kilogramm schwere Bachforelle einer selten gewordenen Gattung wurde vermessen, gewogen und wieder in die Freiheit entlassen.
Wie ihr helfen könnt
Wer ein Tier in Not melden oder Kerstin unterstützen möchte, erreicht sie am besten schriftlich per WhatsApp unter 0157 738 92699.
Wir freuen uns über jede Unterstützung. Danke.



